Mythos Geheimgänge

BurgruineGab es in früheren Jahrhunderten ein Netz von Gängen unter der Burgmannsstadt? Waren die Burgmannshöfe durch Tunnel mit dem Burggelände verbunden? Sind die alten Überlieferungen wahr? Bereits zum zweiten Mal spürten Stadtführer Heinz Herdt und Hubertus Brunstering, Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins, am Donnerstagabend, 05.10., dem "Mythos unterirdische Gänge" im Rittersaal des Münsterhofes (Kommunikationszentrum Volksbank) nach. Das Interesse an Horstmars „Unterwelt“ war groß, die Veranstaltung von HorstmarErleben und KulturForum Steinfurt im Rahmen der Reihe "Ortstermin" komplett ausgebucht.
Heinz Herdt schilderte zunächst anschaulich die Entwicklung Horstmars zur „Burgmannstadt“. Die Burg, um das Jahr 800 errichtet, spielte dabei eine zentrale Rolle. Die Edlen von Horstmar verloren Burg und Herrschaft 1269 an den Fürstbischof von Münster. „Mit diesem gravierenden Wandel setzte eine Blütezeit in der Geschichte Horstmars ein“, betonte Heinz Herdt. Die Burg wurde Verwaltungssitz und Mittelpunkt des fürstbischöflichen Amtes Horstmar mit 34 zugehörigen Pfarreien. Außerdem erkoren die Münsteraner Bischöfe die Horstmarer Burg zu ihrer Sommerresidenz. Im Jahr 1270 verlieh Bischof Gerhard Horstmar die Stadtrechte. Und er ließ eine Festungsanlage errichten. „Der quadratische Grundriss ist einzigartig in Westfalen. Es gibt einen Binnenwall, einen Butenwall, dazwischen einen Wassergraben und die Burg liegt außerhalb der Festung“, schilderte Heinz Herdt die Besonderheiten der Anlage. Zum Schutz von Burg und Stadt wurden acht Burgmannshöfe auf dem Festungsquadrat angelegt.

Der Bischof setzte Burgmannen ein, deren Aufgaben Verwaltung und Verteidigung der Stadt waren. Vier Stadttore mit Zugbrücken sicherten die Eingänge und des Nachts bewachten bis zu 30 Mann aus der Bürgerwehr die Wälle.

Die Stadt war also ganz auf Verteidigung ausgelegt.
Hätten dann nicht auch unterirdische Wehrgänge als Verbindung zwischen den Burgmannshöfen untereinander und als Fluchtweg zur Burg außerhalb der Stadt Sinn gemacht? Geschichten über Geheimgänge wurden über die Jahrhunderte tradiert. Fakten gibt es wenige, aber einige Hinweise auf deren Existenz. „Ältere Mitbürger berichteten übereinstimmend, dass sie als Kinder in den damals noch offenen, mannshohen Gängen gespielt haben“, so Heinz Herdt. Sie erinnerten sich, dass man bis etwa 30 Meter in die Gänge hinein gehen konnte. Laut Zeitzeugen waren in den Gängen am Münster- und Borchorster Hof noch die Wasserbrunnen vorhanden, die im Ernstfall die Versorgung sichergestellt hätten. Belegt ist ebenfalls, dass beim Entfernen einer Linde am Münsterhof ein Gang eingebrochen ist. Auch bei Schachtarbeiten in der Gossenstraße stieß man auf Spuren eines Ganges. In mehreren Burgmannshöfen finden sich zugemauerte Türen. Gelangte man durch sie in das unterirdische Gangsystem? Die Öffnungen wurden Zeitzeugen zufolge nach dem Zweiten Weltkrieg geschlossen. Schriftlich erwähnt wird nur der Wehrgang im Sendenhof, der nach dem Brand des Gebäudes 1765 überbaut wurde. Hausherr Dirk Preckel ermöglichte es den Teilnehmern der Führung, einen Blick in das historische Untergeschoss des Sendenhofes zu werfen. Zusehen ist noch die Zelle, in der der Überlieferung nach der Wiedertäufer Knipperdollinck eingekerkert war, bevor er in Münster hingerichtet wurde. Bisher gibt es also keine endgültigen Beweise für unterirdische Gänge – sie bleiben ein spannender Mythos.
Ein faszinierendes Rätsel ist bis heute auch das Aussehen der 1635 zerstörten Burg. Lediglich eine kleine Skizze aus dem Jahr 1661 hat die Zeiten überdauert. (siehe Foto oben) Hubertus Brunstering präsentierte ein Luftbild und ein modernes Infrarotbild, worauf Grundriss der Burg erkennbar ist. Anhand von Plänen vergleichbarer Burganlagen und etwas Fantasie entwarf er eine glaubwürdige Rekonstruktion des Horstmarer Burggeländes.
Im Anschluss an den Vortrag machten sich die Gäste des Ortstermines auf zum Rundgang durch die Altstadt, dem Verlauf der alten Wälle folgend. Die von Heinz Herdt kenntnisreich und humorvoll präsentierten Infos zur Geschichte der Burgmannshöfe ließen den Regen fast vergessen.
Der Abend auf den Spuren Burgmannstädter Mythen klang bei einem schmackhaften Buffet im Hotel Restaurant Holskenbänd aus.

Wegen des großen Anklangs plant der Stadtmarketingverein eine dritten Ortstermin "Mythos unterirdische Gänge" im Frühjahr 2018.

 

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